Folsäure – Information, Anwendung, Erfahrung

Was ist Folsäure? Würde man diese Frage öffentlich stellen, würden die meisten Leute angeben, dass Folsäure irgendwas mit dem Kinderwunsch zu tun hat. Denn dafür ist es bekannt.

Die wenigsten Menschen wissen, dass Folsäure ein essentielles, also lebensnotwendiges Vitamin für jedermann ist. Nicht nur für Frauen mit Kinderwunsch. Der menschliche Körper ist auf die Zufuhr zwingend angewiesen, denn Folsäure ist an zahlreichen Stoffwechselvorgängen und Zellteilungsvorgängen im Körper beteiligt.

Die Einnahme bestimmter Medikamente, eine oft hektische Fast-Food-Ernährung oder häufiger Alkoholkonsum können den Bedarf sogar noch erhöhen. Die Folge bei einer Unterversorgung mit Folsäure: eine eventuelle Blutarmut.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt genau berechnete Zufuhrwerte pro Tag. Obwohl wir hierzulande keinerlei Not und Einschränkung hinnehmen müssten, werden die empfohlenen Zufuhrwerte von den meisten Menschen nicht erreicht, so die Meinung von Experten. Allerdings weisen Wissenschaftler darauf hin, dass Folsäure individuell dosiert werden sollte.

Im Grunde sollte es weder zu einer Unter- noch zu einer Überversorgung kommen. Auf diesen Seiten wird das wasserlösliche Vitamin der B-Gruppe genauer unter die Lupe genommen.

Was ist dieses Vitamin genau? Was bewirkt es im menschlichen Körper? Wie wird es dosiert? Wo kommt es her? Was passiert bei einer Unterversorgung? Was bei einer Überversorgung? Was sagen wissenschaftliche Studien aus?

Alle relevanten Informationen zu Folsäure gibt es hier in gebündelter Form. Du bist herzlich eingeladen, Dich hier umzusehen, Dir selbst ein Bild zu machen und die Informationen mit bestmöglichem Nutzen für Deine Gesundheit umzusetzen!

Herzlich Willkommen!

Folsäure im Detail

Vielleicht hast Du schon einmal von den sogenannten „Folaten“ gehört? Streng genommen gibt es zwei unterschiedliche Formen von Folsäure. Einerseits gibt es natürliche Folsäure, die in bestimmten Lebensmitteln enthalten ist. Andererseits kann Folsäure industriell, also synthetisch hergestellt werden.

Das in der Nahrung natürlich vorkommende Vitamin wird korrekt als „Folat“ bezeichnet. Wird es hingegen industriell hergestellt, trägt es den Namen „Folsäure“.

Allerdings hat sich die Betitlung „Folsäure“ im umgänglichen Sprachgebrauch sowohl für das natürliche als auch für das industriell hergestellte Vitamin durchgesetzt, deswegen wird hier im Artikel meist auch von der Folsäure die Rede sein, einfach der allgemeinen Verständlichkeit wegen.

Folsäure wird gelegentlich als Vitamin B9 bezeichnet, in den vereinigten Staaten ist hin und wieder die Rede von Vitamin B11 und sehr selten wird die Bezeichnung Vitamin M genutzt.

Im Jahre 1941 konnte Folsäure erstmals aus insgesamt vier Tonnen Spinatblättern isoliert werden, doch die eigentliche Entdeckung geht auf die 1930er Jahre zurück. In diesem Zeitraum beobachteten Forscher, dass bestimmte Formen der Blutarmut mit Hefe- und Leberextrakten gelindert werden konnten. Die Wissenschaftler stellten einen Zusammenhang her, indem es ihnen gelang, Folate als körpereigene „Transportmittel“ ausfindig zu machen.

Die eigentliche Entdeckung gelang im Jahre 1941 und daraus resultiert auch die Bezeichnung, die der lateinischen Sprache entstammt: „Folium“ = Blatt.

 

Die chemische Struktur

chemische Struktur
chemische Struktur des Vitamines

Das hitze- und lichtempfindliche Vitamin gehört zum B-Komplex und setzt sich chemisch aus Pteridin-Derivat, para-Aminobenzoesäure und L-Glutaminsäure zusammen. Mittlerweile ist bekannt, dass der wachstumsstimulierende und Blutarmut vorbeugende Faktor der Folsäure in der Natur nicht vorkommt. Natürliches Folat besteht aus einem Gemisch von Pteroylpolyglutamaten und Pteroylmonoglutamaten. Damit der Darm das Vitamin überhaupt erst aufnehmen kann, muss es zu Pteroylmonoglutamat abgebaut werden. Das bedeutet, dass natürliche Folsäure nur zu etwa 50 Prozent vom Körper verwertet wird.

Hinzu kommt, dass die chemische Struktur natürlicher Folsäure sowohl durch Hitze, als auch durch Licht und Wasser empfindliche Einbußen hinnimmt. Werden Lebensmittel, die natürliche Folsäure enthalten, zu lange dem Tageslicht ausgesetzt, gekocht oder gewässert, verflüchtigt sich das Vitamin und verliert seine wertvolle Eigenschaft.

Bei synthetischer Folsäure hingegen ist dies nicht der Fall. Es besteht ausschließlich aus Pteroylmonoglutamat und ist zudem noch hitzestabil. Im Endeffekt bedeutet das, dass industriell hergestellte Folsäure ausnahmsweise einen höheren Nutzen für die Gesundheit bietet, als natürliche Vorkommen.

Herstellung

Die Herstellung von Folsäure fasst die Aspekte der Bioverfügbarkeit auf. Die einzelnen chemischen Substanzen werden bei der Herstellung so isoliert, dass der menschliche Körper das Folat direkt verwerten kann. Um nochmals auf das natürliche Folat zurückzukommen: Folsäure kann vom Körper nicht direkt verwendet werden, es ist also nicht bioaktiv.

Im Grunde hat es eine Enzym-Funktion, erfüllt dabei selbst jedoch keine Vitamin-Funktion. Diese wird erst bei der Resorbition in der Mucosazelle, später in der Leber zu einer vitaminwirkenden Folat-Verbindung. Dabei ist 5-Methyltetrahydrofolat der wichtigste Metabolit.

Die Herstellung konzentriert sich darauf, das wertvolle Vitamin zu zu isolieren, dass der Körper ohne weitere Aufspaltungen das Vitamin aufnehmen und verwerten kann.

Folsäure- oder Folatäquivalente

Die unterschiedliche Bioverfügbarkeit wird mit dem Begriff „Folatäquivalente“ aufgeschlüsselt. Deswegen taucht er in Zusammenhang mit Folsäure immer wieder auf. Dabei ist die Rechnung ganz einfach:

1 Mikrogramm Folat-Äquivalent (µg) entspricht 1 Mikrogramm Nahrungsfolat und das entspricht 0,5 Mikrogramm Folsäure.

Folsäure in der Natur

Folate, die in der Nahrung vorkommen, bestehen zu einem großen Teil aus Polyglutamate. Wie schon angesprochen, muss der Körper diese äußerst komplexen Folatverbindungen aufspalten, um wenigstens einen Teil davon verwerten zu können. Diese Aufspaltung erfolgt im Verdauungstrakt durch sogenannte „Konjugasen“ (y-Carboxypeptidasen Fermente). Diese wiederum bestehen aus Sekret der Bauchspeicheldrüse, der Leber sowie des Dünndarms. Somit entstehen Monoglutamate, die über einen Transporter verändert ins Blut gelangen. Bei den natürlichen Folaten beträgt die Bioverfügbarkeit aufgrund dieses körperlichen Prozesses „nur“ rund 50 Prozent – bei den synthetischen Folsäure-Produkten liegt sie bei 90 Prozent.

Folsäure kommt sowohl in tierischen als auch in pflanzlichen Lebensmitteln vor. Wobei die Bioverfügbarkeit von Folsäure bei den tierischen Lebensmitteln sogar noch höher liegt. In Leber, Vollkornprodukten, Blattgemüse, Spinat, Broccoli, roter Beete, Karotten, Rosenkohl, Spargel, Tomaten, Eigelb, Hefe, Milch und Nüssen ist Folsäure in reichlicher Konzentration enthalten. Auch in Kräutern wie Petersilie oder Fenchel finden sich geringe Mengen des wertvollen Vitamins.

aus Spinat wurde erstmals Folsäure extrahiert

Allerdings werden die meisten genannten Lebensmittel in nur geringer Menge verzehrt oder die Folsäure verflüchtigt sich durch das Kochen beziehungsweise Braten. Mit einer „normalen“ Ernährung ist es somit fast unmöglich, die empfohlene Tageszufuhr an Folsäure aufzunehmen.

Wirkung der Folsäure auf den Menschen

Folsäure ist für die gesunde Zellfunktion zuständig. Das beinhaltet sämtliche Prozesse rund um die Zellen, also die Zellteilung, Zellbildung und Zelldifferenzierung. Da das Blut ebenfalls aus Zellen besteht, gehört der Aufbau der roten und weißen Blutkörperchen gleichermaßen zu den Aufgaben der Folsäure.

Hinzu kommen die Schleimhäute, deren Aufbau, Funktion und Erhalt genauso von dem essentiellen Vitamin abhängt. Der Stoffwechsel der DNA wird auch von Folaten beeinflusst, zudem dient sie als Hilfe beim Abbau der schwefelhaltigen Aminosäure Homocystein, einem wichtigen Baustein bei der Entstehung von Arteriosklerose.

Zellteilung- und Erneuerung ist ein fortlaufender Prozess. Betroffen ist im Grunde der gesamte Körper. Haare, Nägel, Haut aber auch Schleimhäute werden kontinuierlich ab- und wieder aufgebaut. Jede einzelnen der rund 100 Billionen körpereigener Zellen benötigen Folsäure, um reibungslos zu funktionieren. Allerdings sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Folsäure nur dann seine volle Kraft im Organismus ausspielen kann, wenn es mit Vitamin B12 kombiniert wird. Ohne dieses Vitamin ist Folsäure nahezu wertlos.

Anwendungsgebiete

Folsäure ist für jeden Menschen ein essentielles, also lebenswichtiges Vitamin. Ein erhöhter Bedarf besteht zudem bei einigen Gruppen:

  • Schwangeren
  • stillende Mütter
  • bei Essstörungen
  • Bei Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes
  • bei einseitiger Ernährung
  • bei chronischen Blutungen
  • Bei bestimmten Folgen eines Vitamin B 12 Mangels
  • bei Alkoholmissbrauch
  • Bei Einnahme bestimmter Medikamente

Ein Mangel zeigt sich nicht sofort und auch nicht mit eindeutigen Symptomen, die leicht einzuordnen sind. Unspezifische Formen, wie etwa Müdigkeit, Vergesslichkeit oder eine niedrige Stressbelastung sind nur einige der Beschwerdebilder. Das wichtige Themenfeld der Unterversorgung wird noch ausführlich behandelt.

Bei Kinderwunsch

In der Schwangerschaft

In der Stillzeit

Für die Haare

Folsäure in Lebensmitteln im Überblick

Folsäure ist in verschiedenen Lebensmitteln enthalten. Der Begriff leitet sich von der lateinischen Bezeichnung für „Blatt“ (Folium = Blatt) ab, dadurch wird klar, in welchen Lebensmitteln hohe Werte des Vitamins stecken. Im Folgenden ein kleiner Überblick über die Menge in verschiedenen Lebensmitteln, bezogen auf 100 Gramm und angegeben als µg-Folat-Äquivalent.

  • Schweineleber – 136
  • Rinderleber – 242
  • Speisekleie – 195
  • Spinat – 145
  • Brokkoli – 111
  • Blumenkohl – 125
  • Rosenkohl – 182
  • Erbsen – 151
  • Kirschen – 52
  • Camembert – 44
  • weiße Bohnen – 187

Diese groben Werte bezeichnen den Rohzustand der Lebensmittel. Das bedeutet, dass das wasserlösliche, hitze- und lichtempfindliche Vitamin einen Großteil seines Nutzens beim Kochen oder Braten verliert.

Folsäuremangel

Folsäuremangel geht auf unterschiedliche Ursachen zurück. Wie schon angemerkt, kann eine Unterversorgung beim Embryo schwere Missbildungen zur Folge haben. So wird die Entstehung eines Neuralrohrdefektes begünstigt. Um es an Zahlen zu verdeutlichen: Jährlich werden in Deutschland rund 800 Kinder mit einem Neuralrohrdefekt geboren. Dazu kommen noch die Schwangerschaften, die aufgrund dieser Diagnose abgebrochen werden. Experten gehen davon aus, dass diese zahl deutlich niedriger ausfallen würde, wäre die Folsäure-Versorgung auf einem höheren Niveau.

Etliche Kinderärzte fordern sogar, dass Folsäure normalem Mehl beizumischen, um so einem Mangel in der Bevölkerung vorzubeugen. In der Schweiz werden etliche Produkte mit Folsäure angereichert und in den USA und in Kanada wird unter Mehl gemischt. Seit der Gültigkeit dieses Gesetzes im Jahr 1998 reduzierten sich die Geburten von Kindern mit einem Neurahlrohrdefekt drastisch.

Die Ursachen

Ein Mangel basiert auf unterschiedlichen Ursachen. Ein großer Teil der Gründe liegt in der Mangel- oder Fehlernährung. Der Begriff „Mangelernährung“ klingt nach arm und bedürftig, doch er betrifft bei Weitem nicht nur Länder in der Dritten Welt. Zu einer Mangelernährung kann es auch dann kommen, wenn der Körper nicht die benötigte Nährstoffvielfalt bekommt. Das betrifft vereinzelt Alters- oder Pflegeheime, Obdachlose, Suchtkranke – aber auch Berufstätige, denen schlicht die Zeit oder Möglichkeit fehlt, sich ausreichend gesund zu ernähren.

Als Fehlernährung wird eine zu einseitige Nahrungsaufnahme beschrieben. Etwa Fast Food, Fertiggerichte oder generell zu wenig Abwechslung bei der Nahrungszusammenstellung. Bei dieser Art Fehlernährung ist das Angebot eigentlich vollkommen ausreichend, doch die Nahrung setzt sich aus den falschen Elementen zusammen. Die Folge: Der Körper wird nicht ausreichend mit Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen versorgt.

Damit zählt die Mangel- und Fehlernährung schon zu den Hauptverursachern einer Unterversorgung mit Folsäure. Doch die Ursachen des Mangels können sich auf weitere Gruppen ausweiten:

Bestimmte Medikamente setzen den Folsäurespiegel im Körper herab. Dazu gehören etwa die Anti-Baby-Pille, bestimmte Wirkstoffe, die gegen die Epilepsie eingesetzt werden, Entwässerungstabletten, Wirkstoffe gegen Polyarthritis, Rheuma, Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Verschiedene „leichtere“ Schmerztabletten wie etwa Aspirin sorgen ebenfalls dafür, dass das im Körper vorhandene Folat gehemmt wird.

Aus diesem Grund ist es wichtig, dass der behandelnde Arzt über die aktuelle Medikation Bescheid weiß. Während wir früher zu „unserem“ Hausarzt gingen, hat sich das heute gewandelt. Viele Patienten gehen mal zu diesem, mal zu jenem Arzt. Bei allen Ärzten sollte angesprochen werden, welche Medikamente derzeit eingenommen werden. Das gilt nicht nur für Patienten, die unter Rheuma, Schilddrüsenerkrankungen, Atemwegserkrankungen oder Verdauungsbeschwerden leiden. Viele Medikamente sind so zusammengesetzt, dass sie den Transport der Folsäure im Körper behindern. Damit ist ein Mangel an Folsäure vorprogrammiert.

Der menschliche Körper speichert zwischen 12 und 15 mg Folsäure, wenn er die Möglichkeit dazu hat. Doch bei vielen Menschen sind die Speicher leer, denn die geringen Mengen, die über die Nahrung aufgenommen werden, nutzt der Organismus sofort.

Ein weiterer Grund für einen Mangel liegt schlicht darin, dass ein erhöhter Bedarf besteht. Senioren benötigen ebenso wie Schwangere und Stillende mehr als andere Gruppen.

Weiter gibt es noch einen Folsäure-Mangel, dessen Ursache im Darm liegt. Eigentlich bekommt der Körper ausreichend Folat, kann es aber nicht verwerten. Meist gesellen sich noch weitere Nährstoffmängel hinzu. Deswegen empfiehlt es sich, bei der regelmäßigen Blutkontrolle immer einen Blick auf den Folsäurespiegel werfen beziehungsweise den Arzt gezielt darauf ansprechen.

Ein Mangel kann auch an einer akuten Infektionskrankheit liegen, an einer Stoffwechselstörung, bei Tumoren, bei Dialyse oder bei Wachstumsschüben.

Symptome eines Mangels

Bei einem kurzfristigen Folsäuremangel zeigen sich keine Beschwerden. Eine anhaltende Unterversorgung hat zur Folge, dass sich die Schleimhaut in der Mundhöhle oder im Magen-Darm-Trakt verändern kann. Eine entzündete, gerötete Zunge gibt oft den ersten Hinweis. Es kann zu Durchfällen, Müdigkeitserscheinungen, Gefäßverkalkungen, Störungen des Nervensystems und zu Störungen der Zellproduktion des Blutes.

Weitere Symptome einer Unterversorgung des Vitamins aus der B-Gruppe sind: depressive Verstimmung, wenig Stresstoleranz, Vergesslichkeit, Schlafstörungen und diverse Nervenleiden.

Bei einer schwangeren Frau erhöht sich das Risiko einer Frühgeburt. Wie schon beschrieben, kann es zu Fehlbildungen beim Säugling kommen. Folsäure ist hierzulande ein absolut unterschätztes Vitamin!

Der Folsäurebedarf

Es gibt Richtlinien, die unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung herausgegeben werden. Demnach liegt die empfohlene Zufuhr bei folgenden Werten (angegeben als µg-Folat-Äquivalent / Tag):

  • Säuglinge bis zu vier Monaten: 60
  • 4 – 12 Monate: 80
  • 1 – 4 Jahre: 120
  • 4 – 7 Jahre: 140
  • 7 – 10 Jahre: 180
  • 10 – 13 Jahre: 240
  • ab dem 13. Lebensjahr empfiehlt die DGE die Dosierung wie bei Erwachsenen: 300
  • Schwangere: 550
  • Stillende: 450

Doch ganz so pauschalisieren lässt sich die Dosierung nicht. Der Bedarf sollte individuell angepasst werden, der Grund ist schnell erklärt: Jeder Organismus, jeder Stoffwechsel, jeder Zellauf- und Abbau ist unterschiedlich. Manche Menschen können Folsäure optimal verarbeiten, andere wiederum nicht.

Der Bedarf ist individuell

Diese Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ist als Faustregel zu verstehen. Denn wie bereits beschrieben, gibt es zahlreiche Gruppen, die einen erhöhten Bedarf haben. Oder bei denen die Folsäure nicht da „ankommt“, wo sie hin soll.

Ob genug Folat im körpereigenen Speicher vorhanden ist, lässt sich nur über eine entsprechende Blutuntersuchung herausfinden.

Wer also dauerhaft Medikamente einnehmen muss, eine Suchterkrankung hat (auch Nikotin hemmt die Aktivität der Folsäure!) oder unerklärliche Nervenleiden, Schleimhautveränderungen oder Müdigkeitserscheinungen hat, sollte einen Arzt aufsuchen.

Der Folsäure-Wert wird direkt im Blutserum gemessen. Da der Wert jedoch durch die letzte Nahrungsaufnahme beeinflusst wird, ist es absolut wichtig, mindestens 12 Stunden vor der geplanten Blutentnahme nichts zu essen und zu trinken – außer Wasser.

Besondere Achtsamkeit bei Folsäure-Präparaten im Alter

Auch bei Rentnern wichtig – aber Vorsicht bei der Dosierung!

Die Empfehlung, dass jeder Mensch eine bestimmte Menge an Folsäure zu sich nehmen sollte, ist unter Wissenschaftlern und Experten umstritten. Mittlerweile gibt es einige Studien, die zeigen, dass bei hoher Folat-Einnahme das Risiko einer Krebserkrankung bei älteren Menschen erhöht ist.

Das liegt daran, dass Folsäure offensichtlich eine Krebsvorstufe eher beschleunigt. Allerdings sind sich die meisten Forscher einig, dass dazu eine Gabe hoher Dosierung über einen langen Zeitraum nötig ist.

Folat natürlich einnehmen?

Eine Untersuchung zeigte, dass es selbst Vegetarier kaum schaffen, die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Mengen an Folsäure zu erreichen. Aufgrund dieser Empfehlung greifen viele unbedacht zu Nahrungsergänzungsmitteln, die das Vitamin in hoher Konzentration enthalten. Dadurch nehmen sie oft eine viel zu hohe Dosis ein. Der Körper kann die hohe Folat-Dosis nicht verarbeiten und scheidet sie aus – aber: im späteren Lebensverlauf könnte sich diese stete Überdosierung negativ auf die Gesundheit auswirken. Dauerhaft hohe Folsäuremengen steigern das Risiko, in höherem Lebensalter Krebs-Vorstufen im Darm in ihrer Entwicklung zu begünstigen.

Im Gegensatz dazu: Junge Menschen, die noch keine Krebs-Vorstufen haben, senken hingegen das Risiko, Karzinome zu entwickeln.

Doch es gibt noch mehr Positives zu berichten, denn Untersuchungen ergaben, dass Folat zwar keinen Herz-Kreislauf-Erkrankung verhindern kann, dafür jedoch das Risiko eines Schlaganfalls senkt.

Deswegen ist eine individuelle Dosierung des Vitamins unerlässlich, um wirklich einen gesundheitlichen Nutzen zu erfahren.

Ist eine Überdosierung mit Folsäure möglich?

Eindeutige Antwort: Ja. Natürlich macht sich ein „zu viel“ nicht sofort bemerkbar, doch wie im letzten Absatz geschildert, können im Alter gesundheitliche Folgen entstehen. Zudem kann eine Überdosierung einen eventuellen Vitamin B12 Mangel verdecken. Und da Vitamin B12 genauso essentiell wie Vitamin B9 ist, wäre es fatal, wenn zwar das eine Vitamin in ausreichender Menge im Organismus vorhanden ist, es jedoch nicht verstoffwechselt werden kann, da das andere fehlt.

Um eine Überdosierung an Zahlen etwas zu verdeutlichen: Wird der Tageskonsum mehr als vier Wochen lang deutlich überschritten (über fünf Milligramm), kommt es zu einer Überdosierung.

Tierversuche zeigten, dass eine Überdosierung zu kleineren und leichteren Nachkommen führte. Zudem wird die Zellteilung beeinflusst – natürlich, das ist die Hauptaufgabe von Folsäure. Allerdings ist eine unkontrollierte Zellteilung der Beginn einer Krebserkrankung. Deswegen sollten die Zellen alles notwendige bekommen, jedoch nicht im Übermaß.

Bei einer Überdosierung mit Folsäure kann es zu so einem unkontrollierten Zellwachstum kommen. Darauf weist eine Studie hin, die in den 1960er Jahren erstellt wurde.

Mögliche Nebenwirkungen der Folsäure auf unseren Organismus

Schaut man in verschiedene Portale, wird gerne propagiert, dass Folsäure weder Nebenwirkungen beinhaltet noch überdosiert werden kann. Das ist so nicht richtig. Folsäure ist ein Vitamin, dass essentielle Aufgaben in unserem Organismus hat.
In den meisten Fällen resultieren mögliche Nebenwirkungen der Folsäure aus einer Überdosierung.

Generell zeigen sich Nebenwirkungen in reizbaren Erregungszuständen, Übelkeit oder anderen Verdauungsbeschwerden. Bei zu langer Einnahme von Folat in zu hoher Dosierung wirkt sich das eventuell mit Depressionen, Schlafstörungen, Alpträumen bis hin zu epileptischen Anfällen aus.

Um die möglichen Nebenwirkungen von Folsäure zu verstehen, ist ein kleiner Blick über die Wirkweise des Vitamins aufschlussreich. Vitamin B9 wird in der Leber gespeichert. Das Organ dient zugleich der „Zentrale“, denn die Leber reguliert die Versorgung an Gewebe, Blut und Zellen. Doch bevor Folsäure aktiv werden kann, muss sie bei der Aufnahme im Dünndarm in verschiedene Folat-Formen umgewandelt werden. Das aktive Folat-Enzym wird als Tetrahydrofolat (THF) bezeichnet.

THF ist im Stoffwechsel sowohl als Empfänger als auch als Überträger verschiedener Reaktionsgruppen aktiv. So kreist Folsäure hauptsächlich mit einer Methylgruppe im Blut umher. Gibt es zu viel Folat, steigt die Anzahl der jungen, roten Blutkörperchen an.
Zu weiteren möglichen Nebenwirkungen zählen Unverträglichkeitsreaktionen. Vitamin B9 kann infolge einer allergischen Reaktion zu einem Hautausschlag, Juckreiz oder einem Ekzem führen.

Sehr selten treten Luftnot, Übelkeit bis hin zu einem Kreislaufkollaps auf. Bei dem kleinsten Anzeichen einer Nebenwirkung sollte die Folsäure natürlich sofort abgesetzt werden und bei einem schweren Verlauf ist unverzüglich ein Arzt zu konsultieren!

Wissenschaftliche Studien im Überblick

Etliche Studien zeigen, dass Folsäure nicht nur ein wertvolles Element für den Embryo ist, sondern auch anderen Erkrankungen vorbeugen kann.

Dem Schlaganfall mit Folsäure vorbeugen

Studie zur Wirksamkeit von Folsäure auf die Mutter

Folsäure kaufen – Präparate im Überblick

Folsäure ist im Grunde ein Nahrungsergänzungsmittel. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Präparaten ist dieses spezielle Vitamin der B-Gruppe essentiell und kann vom Körper nicht selbst hergestellt werden. Der Organismus ist ergo auf die Zufuhr über die Nahrung angewiesen. Leider verstecken sich die wertvollen Nährstoffe in Lebensmitteln, die gekocht, gebraten, gedünstet oder sonst wie erhitzt werden. Hier liegt die Krux: Folsäure ist hitzeempfindlich. Das bedeutet, dass ein großer Teil der Wirksamkeit bei der Nahrungszubereitung verpufft.

Steht der individuelle Bedarf fest, kann die Tageszufuhr mit bestimmten Präparaten erreicht werden. Die unterschiedlichen Bedürfnisse können dabei mit den verschiedenen Folsäure Präparaten ideal abgedeckt werden.

Mit oder ohne Jod?

Ob ein Folsäure-Präparat mit oder ohne Jod eingenommen werden sollte, hängt von der Schilddrüse ab. Wer an einer Schilddrüsenüber- oder Unterfunktion leidet, darf Jod nur in bestimmten Mengen und nach Rücksprache mit dem Arzt einnehmen.

• Schilddrüsenunterfunktion

Besteht eine Unterfunktion, muss auf eine ausreichende Jodzufuhr geachtet werden. Die Dosis richtet sich nach der Schwere der Erkrankung und wird vom Arzt bestimmt.

• Schilddrüsenüberfunktion

bei einer Überfunktion darf normalerweise kein zusätzliches Jod aufgenommen werden. Die hormonelle Störung könnte sich ansonsten noch zusätzlich verschlimmern.

Speziell für Schwangere oder Frauen mit Kinderwunsch

Steht die Nachwuchsplanung an, solltest Du auf jeden Fall die Frage, ob Du zusätzliches Jod einnehmen kannst, mit Deinem Gynäkologen absprechen. Falls nicht, greife auf Folsäure-Präparate zurück, die ohne zusätzliches Jod erhältlich sind.

Folsäure-Präparate

Folio Forte Plus B12

Diese Folsäuretabletten enthalten neben Vitamin B9 zusätzlich Vitamin B12 und Jod. Die Kombination von Vitamin B9 und B12 ist absolut wichtig, da Folsäure nur in Verbindung mit Vitamin B12 agieren kann.
Zudem kann mit dieser Kombination ein eventuell auftretender Mangel an B12 erst gar nicht entstehen.

Die enthaltenen Mengen:

  • Folsäure (Vitamin B9): 800 µg
  • Vitamin B12: 10 µg
  • Jod: 150 µg

Die Käufer berichten von völliger Geschmacksneutralität, ein Umstand, der gerade bei Schwangeren wichtig ist. Somit besteht wenigstens aus geschmacklicher Sicht nicht zu befürchten, dass die wertvollen Tabletten aufgrund einer spontanen Übelkeit wieder sofort den Körper verlassen.

Zudem handelt es sich um kleine, angenehm zu schluckende Tabletten – ebenfalls besonders zu Beginn einer Schwangerschaft ein beachtenswerter Aspekt.

Ein Beipackzettel liegt bei und dort sind alle wichtigen Hinweise ausführlich vermerkt. Bei Kinderwunsch beispielsweise wird vom Hersteller empfohlen, die Tabletten ab dem Tag des Kinderwunsches bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche einzunehmen.

Femmoal Plus Folsäure

Diese Kapseln bieten für Frauen mit einem Kinderwunsch eine zielgerichtete Versorgung an. Es handelt sich um ein Kombipräparat und enthält alle wichtigen, teilweise essentiellen Vitaminen, Mineralstoffen und weiteren Nährstoffen.

Enthalten sind folgende Substanzen pro Kapsel:

  • Folsäure: 400 µg
  • Vitamin B1: 1,2 mg
  • Vitamin B2: 1,6 mg
  • Niacin: 15 mg
  • Pantothensäure: 6 mg
  • Vitamin B6: 1,9 mg
  • Vitamin B12: 3,5 µg
  • Vitamin C: 110 mg
  • Vitamin D: 10 µg
  • Vitamin E: 15 mg
  • Biotin: 60 µg
  • Jod: 100 µg
  • Calcium: 120 mg
  • Omega-3-Fettsäure

In der Packung befinden sich zwei verschiedene Kapseln – einmal Hartkapseln und einmal Weichkapseln. Letztere enthalten die wertvolle Omega-3-Fettsäure.

Femmoal Plus wird sehr gerne von den Frauenärzten empfohlen, einfach weil die Kombination aller Nährstoffe zusammen eine optimale Versorgung erreicht.

Fairvital Folsäure

Fairvital Folsäure enthält ausschließlich Folsäure. Es ist damit für all jene geeignet, die kein zusätzliches Jod, etwa aufgrund einer Schilddrüsenüberfunktion, aufnehmen dürfen. Enthalten sind 800 µg pro Tablette und ab dem Zeitpunkt des Kinderwunsches sollte pro Tag eine Tablette eingenommen werden.

Generell eignen sich die Fairvital Folsäure Tabletten für alle, die einen zu niedrigen Folsäurespiegel im Blut aufweisen. Gute Ergebnisse werden beispielsweise auch bei Haarausfall erzielt.

Dennoch muss der Nutzen der hier vorgestellten Tabletten abgewogen werden. Die enthaltene Menge Folsäure ist relativ hoch und eignet sich in erster Linie für Frauen mit einem Kinderwunsch. Am besten beim Hausarzt kurz nachfragen, denn im Blutbild sollte sich ein eventueller Mangel an Folsäure zeigen.

Fazit

Folsäure ist ein essentielles, also lebensnotwendiges Vitamin, zugehörig dem Vitamin B-Komplex und auch als Vitamin B9 bekannt.

Unterschieden werden immer Folate und Folsäure. Bei natürlichem Vorkommen in bestimmten Lebensmitteln spricht man von „Folat“, bei synthetischer Zusammensetzung ist die Rede von „Folsäure“. Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich jedoch die geläufige Bezeichnung Folsäure so eingebürgert, dass kaum jemand mit dem Begriff „Folat“ etwas anfangen kann. Das ist der Grund, warum fast immer nur von der Folsäure gesprochen wird.

Entdeckt wurde das essentielle Vitamin in den 1940er Jahren, als es erstmals gelang, es aus vier Tonnen Spinat heraus zu isolieren. Daher stammt auch die Bezeichnung: „folium“ zu deutsch: Blatt.

Experten sind der Meinung, dass die meisten Deutschen an einer Unterversorgung leiden. Die tägliche Zufuhrmenge eines Erwachsenen liegt laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung bei 300 µg, also Microgramm. Schwangere sollten mindestens 550 µg aufnehmen und Stillende noch 450 µg.

In der Schwangerschaft ist Folsäure tatsächlich von enormer Wichtigkeit. Der Embryo ist auf eine ausreichende Menge Folsäure angewiesen, damit es zu keinen Fehlbildungen kommt. In einigen Ländern wird Folsäure per Gesetz beispielsweise dem Mehl zugefügt – und die zahlen von Babys, die beispielsweise mit einem sogenannten „offenen Rücken“ zur Welt kamen, reduzierte sich.

Folsäure sollte allerdings nicht einfach so eingenommen werden, da eine Überdosierung den Körper belastet. Das zeigt sich zwar nicht sofort, doch Studien ergaben, dass Krebsvorstufen bei Senioren durch Folsäure eher beschleunigt werden. Zudem kann eine zu hohe Dosis einen eventuellen Vitamin B12 Mangel verdecken – das kann ernste Folgen nach sich ziehen. Interessant auch – eine ausreichende Versorgung mit Folsäure beugt dem Schlaganfall vor.

Also wie bei allem: Es kommt auf die individuelle Gabe des Vitamins an und man sollte nur mit Bedacht zu Nahrungsergänzungsmitteln greifen – trotz des großen Nutzen dieser für unseren Organismus.

 Sprechen Sie bitte bei Gesundheitsfragen und vor einer Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln immer mit einem anerkannten Mediziner oder Apotheker. Diese Inhalte stellen keine Empfehlung zur Behandlung, Einnahme oder für ein bestimmtes Präparat dar, sondern wollen objektiv über das Thema für Ihre persönliche Weiterbildung informieren. Ich übernehme keine Garantie oder Haftung für die Richtigkeit und Aktualität der Inhalte dieser Seite. Ebenfalls übernehme ich keine Haftung für mögliche Schäden oder Unannehmlichkeiten, die sich aus einer Anwendung auf Grund der hier befindlichen Informationen ergeben. 

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